Einzelfälle

Beitragsbild: © Amnesty International

Einzelfälle

Zu den dargestellten Einzelfällen arbeiten AI-Arbeitsgruppen. Nachfolgend finden Sie die Fallbeschreibungen unserer aktuellen Fälle. Wenn Sie sich engagieren wollen, schicken Sie bitte eine E-Mail, dann senden wir Ihnen weitere Informationen.
 
 
 

Toomaj Salehi

Der iranische Rapper Toomaj Salehi ist seit dem 30. Oktober 2022 in Haft. Er setzte sich in seinen musikalischen Werken für Menschenrechte und einem friedlichen Übergang zur Demokratie sowie gegen Korruption, Armut und Hinrichtungen in seiner Heimat ein. Ihm wurde unter anderem „Feindschaft gegen Gott“ sowie „Verdorbenheit auf Erden“ vorgeworfen. Gerichte in der islamischen Republik Iran fällen bei diesen Vorwürfen in der Regel ein Todesurteil.
Am 10.07.2023 wurde er unter anderem zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 3 Monaten verurteilt.
 
Am 18. November 2023 wurde Toomaj Salehi gegen Kaution freigelassen.
Am 30. November 2023 wurde er zusammen mit zwei Begleitern unter Schlägen erneut festgenommen und an einen unbekannten Ort verbracht. Als Grund nannte die iranische Justiz “die Veröffentlichung falscher Informationen und die Störung der öffentlichen Meinung”.
Am 21. Januar 2024 teilte sein Anwalt Amir Raisian mit, dass weitere Anklagen gegen ihn erhoben werden: „Unterstützung einer Rebellion“, was bedeutet, dass er Mitglied einer Gruppe sei, die einen bewaffneten Aufstand plane. Dafür könnte ihm die Todesstrafe drohen.
 
Am 24. April 2024 wurde Toomaj Salehi durch das Revolutionsgericht in Isfahan zum Tode verurteilt.

 

Mahvash Sabet und Fariba Kamalabadi

Mahvash Sabet und Fariba Kamalabadi sind zum zweiten Mal zu 10 Jahren Haft verurteilt worden. Zum ersten Mal wurden sie am 5. März bzw. 14. Mai 2008 als Mitglieder der „Yaran“, des Leitungsgremiums der Religionsgemeinschaft der Baha’i im Iran, verhaftet. Sie mussten dann zusammen mit den fünf Männern dieser Gruppe eine Haftstrafe von 10 Jahren verbüßen und wurden 2017 freigelassen. Am 31. Juli 2022 verhaftete man sie wieder und klagte sie als Mitglieder der „Baha’i-Spionagepartei“ wegen der „Bildung einer Gruppe zum Zweck des Handelns gegen die nationale Sicherheit“ an. Am 21. November 2022 erging gegen sie das Urteil zu weiteren 10 Jahren Haft.
 
Mahvash Sabet, geboren am 4. Februar 1953, hat einen Bachelor-Studienabschluss in Psychologie. Sie ist verheiratet und hat 2 Kinder. Sie arbeitete als Lehrerin und Schulleiterin. Nach der Machtübernahme durch die islamische Regierung wurde sie wie viele Tausend andere Baha’i-Pädagog*innen entlassen. Später wurde sie Direktorin des Baha’i-Instituts für Höhere Bildung (BIHE), wo sie auch unterrichtete. Da auch dies von staatlicher Seite verboten ist, wurden viele Lehrkräfte des BIHE verhaftet, darunter auch sie.
 
Fariba Kamalabadi, geboren am 12. September 1962, ist Psychologin. Da sie wegen ihres Glaubens nicht an einer staatlichen Hochschule studieren durfte, erwarb sie ihren Master-Studienabschluss in Entwicklungspsychologie an der BIHE. Sie ist verheiratet und hat 3 Kinder.

  • Februar 2024: Die ausführliche, aktuelle Falldarstellung zu Mahvash Sabet und Fariba Kamalabadi zum Download finden Sie → hier – PDF: 161,8 kB.
  • Von März 2024 bis 30. Juni 2024: Eine Petition für Mahvash Sabet und Fariba Kamalabadi in deutscher Sprache zum Download finden Sie auf der Webseite für Petitionen → hier – PDF: 189,3 kB.
  • Von März 2024 bis 30. Juni 2024: Eine Petition für Mahvash Sabet und Fariba Kamalabadi in englischer Sprache zum Download finden Sie auf der Webseite für Petitionen → hier – PDF: 188,6 kB.
  • März 2024: Einen Appellbrief für Mahvash Sabet und Fariba Kamalabadi in deutscher Sprache zum Download finden Sie auf der Webseite für Appelle → hier – PDF: 60,6 kB.
  • März 2024: Einen Appellbrief für Mahvash Sabet und Fariba Kamalabadi in englischer Sprache zum Download finden Sie auf der Webseite für Appelle → hier – PDF: 62,8 kB.

 

Nahid Taghavi

Nahid Taghavi, geboren am 28. August 1954, ist eine pensionierte Architektin und Frauenrechtlerin mit deutscher und iranischer Staatsangehörigkeit. Am 16. Oktober 2020 wurde sie einem Besuch im Iran festgenommen. Anfang August 2021 verurteilte sie das Revolutionsgericht in Teheran zu 10 Jahren Haft wegen „Mitgliedschaft in einer illegalen Gruppe“ und zusätzlich 8 Monaten wegen „Propaganda gegen das Regime“. Amnesty International betrachtet ihre Inhaftierung als einen Fall von Geiselhaft.
 
Nahid Taghavi lebt seit über 40 Jahren in Köln, verbringt aber jedes Jahr längere Zeit im Iran, wo sie auch Familienangehörige hat. Das war über Jahre hinweg problemlos möglich. Am 16. Oktober 2020 aber nahmen Angehörige der iranischen Revolutionsgarden die Deutsch-Iranerin in ihrem Zuhause in Teheran fest. Dabei verwüsteten sie ihre Wohnung, beschlagnahmten auch ihren Laptop, ihr Handy, USB-Speichersticks, Geld, Bücher, Fotos und den deutschen Pass.
 
Die Haftbedingungen sind für Nahid Taghavi eine besondere Gefahr. Sie leidet an Bluthochdruck und benötigt dafür täglich Medikamente. Seitdem sie sich im Evin-Gefängnis in Haft befindet, hat sie Diabetes entwickelt, wofür sie nun auch Medikamente benötigt.
 
Am 19. Juli 2022 durfte Nahid Taghavi aus medizinischen Gründen das Gefängnis verlassen. Am 13. November 2022 wurde dieser Hafturlaub jedoch beendet.
Am 9. Januar 2024 wurde sie von den iranischen Behörden wieder vorübergehend aus der Haft entlassen. Der Hafturlaub gleicht aber einer Art Hausarrest. Nahid Taghavi muss eine elektronische Fußfessel tragen und darf sich nicht weiter als 1000 Meter von ihrem Zuhause entfernen.
 
Am 28. Februar 2024 musste Nahid Taghavi ins Gefängnis zurückkehren.

  • März 2024: Die ausführliche, aktuelle Falldarstellung zu Nahid Taghavi finden Sie → hier – PDF: 95,7 kB.
  • Von März 2024 bis 30. Juni 2024: Eine Petition für Nahid Taghavi in deutscher Sprache zum Download finden Sie auf der Webseite für Petitionen → hier – PDF: 203,3 kB.
  • 15.11.2022: Eine Online-Petition für Nahid Taghavi in deutscher Sprache finden Sie auf der Webseite für Petitionen und hier: NAHID TAGHAVI FREILASSEN!.

Im Iran wurde Nahid Taghavi wegen ihres Engagements für Frauenrechte inhaftiert. In Deutschland kämpft ihre Tochter Mariam Claren seit fast zwei Jahren für ihre Freilassung.
Hier finden Sie den Online-Artikel:

 

Nasrin Sotoudeh

Nasrin Sotoudeh wurde in zwei unfairen Gerichtsverfahren zu insgesamt 38 Jahren Gefängnis und 148 Peitschenhieben verurteilt, weil sie sich unter anderem für Frauenrechte einsetzte und die Todesstrafe kritisierte. Seit ihrer Festnahme am 13. Juni 2018 wurde sie im Teheraner Evin-Gefängnis festgehalten.
Im Februar 2022 wurde ihr Hafturlaub auf unbestimmte Zeit gewährt. Als sie am 30. Oktober 2023 an der Trauerfeier für Armita Garawand teilnahm, wurde sie wieder festgenommen. Dabei wurde sie geschlagen, so dass sie ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.
 
Insbesondere in ihrem Protest gegen die vom iranischen Staat vorgeschriebene Zwangsverschleierung steht sie symbolisch für viele andere iranische Frauen und Mädchen, die sich friedlich gegen den Verschleierungszwang einsetzen.
 
Am 15. November 2023 wurde Nasrin Sotoudeh aus der Haft entlassen.

 

Golrokh Ebrahimi Iraee und Arash Sadeghi

Arash Sadeghi und seine Ehefrau Golrokh Ebrahimi Iraee wurden wegen ihrer Unterstützung der Proteste gegen die Verletzung der Menschen- und Frauenrechte im September bzw. Oktober 2022 erneut inhaftiert.
Beide waren bereits im Sommer 2015 in unfairen Prozessen ohne anwaltliche Vertretung verurteilt worden und wurden anschließend inhaftiert. Sie waren dann freigelassen worden: Arash Sadeghi im Mai 2021, Golrokh Ebrahimi im Mai 2022.

Die Menschenrechtlerin Golrokh Ebrahimi Iraee veröffentlichte Facebook-Beiträge über politische Gefangene und schrieb eine Geschichte über das Thema der Steinigung einer Frau. Sie wurde deshalb zu 6 Jahren Haft verurteilt (im Berufungsverfahren reduziert auf 31⁄2 Jahre). Zwei weitere Verurteilungen zu insgesamt 3 Jahren und ein zweijähriges Verbot politischer Tätigkeit und Reiseverbot wegen „Verbreitung von Propaganda gegen das System“ kamen hinzu.

Ihr Ehemann, der Menschenrechtler Arash Sadeghi schrieb Beiträge über politische Gefangene und berichtete in Interviews über seine frühere Haftzeit. Daher wurde ihm „Verbreitung von Propaganda gegen das System“, „Versammlung und Verschwörung gegen die Staatssicherheit“ und „Beleidigung des Gründers der Islamischen Republik“ vorgeworfen. Seine Haftstrafe betrug 15 Jahre, die später auf 5 Jahre und 6 Monate reduziert wurde.

  • Juni 2023: Die ausführliche, aktuelle Falldarstellung zu Golrokh Ebrahimi Iraee und Arash Sadeghi finden Sie → hier – PDF: 356,4 kB.
  • Januar 2024: Eine Kurzfassung der Falldarstellung zu Golrokh Ebrahimi Iraee und Arash Sadeghi finden Sie → hier – PDF: 111,5 kB.
  • Von Februar 2024 bis 30. Juni 2024: Eine Petition für Golrokh Ebrahimi Iraee und Arash Sadeghi in deutscher Sprache finden Sie auf der Webseite für Petitionen → hier – PDF: 158,1 kB.

 

Sayed Hossein Kazemeyni Boroujerdi

Der iranische Geistliche Sayed Hossein Kazemeyni Boroujerdi war in Haft wegen seiner Kritik an der Islamischen Republik Iran. Er ist ständigen Einschüchterungen und Morddrohungen durch die Behörden ausgesetzt, seit er am 4. Januar 2017 aus medizinischen Gründen vorübergehend aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Er steht de facto unter Hausarrest. Er darf sein Zuhause in Teheran nur verlassen, um Termine im Krankenhaus oder beim Arzt wahrzunehmen. Niemand darf ihn besuchen und sein Zuhause wird rund um die Uhr überwacht. Er wurde eingeschüchtert und man drohte, ihn zurück ins Gefängnis zu bringen.

  • August 2021: Eine ausführliche und aktuelle Falldarstellung zu Sayed Hossein Kazemeyni Boroujerdi finden Sie → hier – PDF: 188,5 kB.
  • Von Februar 2024 bis 30. Juni 2024: Eine Petition für Sayed Hossein Kazemeyni Boroujerdi in deutscher und englischer Sprache finden Sie auf der Webseite für Petitionen → hier – PDF: 91,1 kB.

 

Narges Mohammadi

Am 22. Februar 2020 hatten die iranischen Behörden Narges Mohammadi mitgeteilt, dass ein weiteres Strafverfahren wegen “Unruhestiften im Gefängnis” und “Beleidigung des Leiters des Evin-Gefängnisses” eröffnet worden sei. Am 23. Mai 2021 wurde sie dafür vom Strafgericht Teheran zu 2½ Jahren Haft, 80 Peitschenhieben und zwei Geldstrafen verurteilt.

Am 26. September 2021 verkündete Narges Mohammadi in einem Instagram-Post, dass sie aufgefordert wurde, ihre Haftstrafe im Evin-Gefängnis anzutreten. Sie schrieb, dass sie diese Anordnung nicht befolgen würde. Am 16. November 2021 wurde sie erneut verhaftet und verbüßt nun die 2½-jährige Haftstrafe.

In einem weiteren Prozess wurde sie am 15. Januar 2022 zu weiteren 8 Jahren und 2 Monaten Gefängnis sowie 74 Peitschenhieben verurteilt. Sie befindet sich jetzt im Evin-Gefängnis in Teheran.

Am 6. Oktober 2023 wurde Narges Mohammadi durch das norwegische Nobelkomitee der Friednesnobelpreis verliehen.

Wegen „Propaganda gegen das System“ erhielt Narges Mohammadi am 15. Januar 2024 weitere 15 Monaten Haft.

  • Januar 2024: Die ausführliche, aktuelle Falldarstellung zu Narges Mohammadi finden Sie → hier – PDF: 145,4 kB.
  • Januar 2024: Eine Kurzfassung der Falldarstellung zu Narges Mohammadi finden Sie → hier – PDF: 85,2 kB.
  • Von Januar 2024 bis 30. Juni 2024: Eine Petition für Narges Mohammadi in deutscher und englischer Sprache finden Sie auf der Webseite für Petitionen → hier – PDF: 234,2 kB.

 

Mostafa Abdi

Mostafa Abdi hat einen Abschluss als mechanischer Ingenieur. Er setzte sich für Menschenrechte ein und war einer der Betreiber der Webseite des Gonabadi Sufi-Ordens, „Majzooban-e Noor“. Am 20. Februar 2018 wurde er bei einer Demonstration vor dem Haus des Oberhaupts des Ordens, Dr. Tabandeh, verhaftet und am 15. August 2018 zu 26 Jahren und 3 Monaten Haft sowie weiteren Strafen verurteilt.

  • Januar 2023: Die ausführliche, aktuelle Darstellung seines Falles finden Sie → hier – PDF: 239,7 kB.
  • Von Februar 2024 bis 30. Juni 2024: Eine Petition für Mostafa Abdi in deutscher Sprache finden Sie auf der Webseite für Petitionen → hier – PDF: 216,4 kB.

 

2. Mai 2024